Rollstuhlgerechte Schlösser in Belgien

Belgien zählt mehr als dreihundert Schlösser, und zum Glück haben in den vergangenen Jahren immer mehr Eigentümer und Verwalter in Barrierefreiheit investiert. Wo historische Gebäude oft mit Treppen, Kies und schmalen Türöffnungen einhergingen, finden Sie heute in jeder Provinz ein Schloss, das Rollstuhlnutzer herzlich willkommen heißt. Von Barock bis Renaissance, von mittelalterlicher Festung bis französischem Garten: Wir nehmen Sie mit zu den am besten zugänglichen Schlössern des Landes.

Hennegau: barocke Pracht in Beloeil und Umgebung

Wer weite Gärten und historische Grandeur liebt, muss unbedingt Château de Beloeil besuchen. Dieses "belgische Versailles" der Familie de Ligne hat breite, befestigte Wege durch seine berühmten französischen Gärten. Die Hauptetage des Schlosses ist über einen Seiteneingang mit Rampe erreichbar, und es gibt barrierefreie Toiletten nahe dem Eingang. Behindertenparkplätze liegen in kurzer Entfernung vom Empfang.

Weniger bekannt, aber mindestens ebenso beeindruckend ist Château de Seneffe, ein Lustschloss aus dem achtzehnten Jahrhundert, das heute als Museum für Silberschmiedekunst dient. Das Erdgeschoss ist vollständig rollstuhlgerecht und in den Gärten liegen befestigte Wanderwege entlang der Orangerie und des Eiskellers.

Flandern: von Gaasbeek bis Ooidonk

Direkt südlich von Brüssel thront Schloss von Gaasbeek über dem hügeligen Pajottenland. Nach einer gründlichen Renovierung sind der Park und das Erdgeschoss des Schlosses über einen angepassten Eingang erreichbar. Ein kostenloser Rollstuhlshuttle verbindet den Behindertenparkplatz mit dem Schloss selbst, eine praktische Lösung für alle, die die lange Auffahrt vermeiden möchten.

In Ostflandern finden Sie Schloss von Ooidonk, ein märchenhaftes Wasserschloss, das ursprünglich aus dem zwölften Jahrhundert stammt. Die Schlossgärten sind über befestigte Wege zugänglich, und das Erdgeschoss des Schlosses ist über eine Rampe erreichbar. Der Schlosspark lädt zu einem ruhigen Spaziergang um den Schlossgraben ein.

Östlich von Gent liegt Schloss von Laarne, eine außergewöhnlich gut erhaltene mittelalterliche Wasserburg. Die Hauptetage ist über einen Aufzug erreichbar, und im Schlosshof ist eine barrierefreie Toilette vorgesehen. Die Brücke über den Schlossgraben wurde kürzlich mit ebenen Planken versehen, was die Überquerung mit dem Rollstuhl komfortabel macht.

Wallonie: Maastal und Ardennen

Château de Modave liegt wie ein Adlerhorst auf einem Felsvorsprung hoch über dem Hoyoux-Tal. Trotz der spektakulären Lage haben die Eigentümer das Erdgeschoss sehr zugänglich gemacht: Die berühmten Prunksäle mit ihren Stuckdecken sind ohne Schwellen zu besuchen. Es gibt einen Behindertenparkplatz auf dem Vorplatz und eine barrierefreie Toilette im Empfangsgebäude.

Am Ufer der Lesse steht das Schloss von Lavaux-Sainte-Anne, eine malerische Wasserburg mit drei runden Ecktürmen. Das Schloss beherbergt drei Museen (Jagd, Natur und Landleben), deren Erdgeschoss vollständig rollstuhlgerecht ist. Rund um das Schloss liegt ein Naturschutzgebiet mit hölzernen Bohlenwegen, die auch mit Rollstühlen befahrbar sind.

In den Ardennen erhebt sich Château de Bouillon auf einem Felsvorsprung über dem Semois-Fluss. Diese mittelalterliche Festung von Gottfried von Bouillon ist aufgrund ihres Reliefs anspruchsvoll, aber bestimmte Bereiche (der Empfang, das Museum und der Aussichtspunkt) wurden mit Rampen und Aufzügen zugänglich gemacht. Die Karte am Eingang zeigt genau, welche Teile des Parcours mit dem Rollstuhl machbar sind.

Lüttich und Namur: Perlen zwischen Maas und Ourthe

Nördlich von Lüttich liegt Château de Jehay, ein Renaissanceschloss mit einer auffälligen schwarz-weißen Schachbrettfassade. Nach der jüngsten Restaurierung ist das Erdgeschoss über einen Seiteneingang mit Rampe erreichbar, und die Gärten mit ihren Teichen und Skulpturen verfügen über befestigte Hauptwege. Es gibt einen kostenlosen Rollstuhlverleih am Empfang.

In der Provinz Namur finden Sie schließlich Château de Vêves, ein Märchenschloss mit fünf spitzen Türmen. Obwohl nicht alle Etagen erreichbar sind, wurde der ebenerdige Empfangssaal mit seinen historischen Möbeln über eine Rampe zugänglich gemacht. Der umliegende Garten und die Picknickzone sind vollständig eben und mit einer barrierefreien Toilette ausgestattet.

Praktische Tipps für einen Besuch mit Rollstuhl

Reservieren Sie Ihren Besuch im Voraus, wenn möglich — bei vielen Schlossmuseen müssen Sie den angepassten Eingang oder Aufzug speziell anfordern. Erkundigen Sie sich auch nach einem eventuellen Rollstuhlshuttle zwischen Parkplatz und Schloss, denn historische Auffahrten können mit Kiesbelag anspruchsvoll sein.

Für längere Ausflüge ist es ratsam, die Öffnungszeiten barrierefreier Toiletten zu prüfen: Einige Schlösser schließen das Empfangsgebäude (mit der einzigen Behindertentoilette) während der Mittagspause. Nehmen Sie im Zweifelsfall Kontakt mit den Empfangsmitarbeitern auf — sie kennen ihr Gebäude am besten und können Sie über die komfortabelste Route führen.

Viele Schlösser bieten zudem freien Eintritt für Begleiter von Personen mit einer Behinderung. Fragen Sie danach beim Buchen Ihrer Tickets, damit Sie das belgische Schlosserbe optimal genießen können.