VAPH-Reform 2026: Was ändert sich bei Ihrer Direkt Zugänglichen Hilfe (RTH)?

Seit Anfang 2026 tritt die VAPH (Vlaams Agentschap voor Personen met een Handicap — Flämische Agentur für Menschen mit Behinderung, zuständig für Vlaanderen) in eine reformierte Phase für die Direkt Zugängliche Hilfe (RTH) ein — die niedrigschwellige Unterstützung für Menschen mit einer (vermuteten) Behinderung, die kein persönliches Assistenzbudget benötigen. Für viele Leser von drempelvrij.be ist dies die folgenreichste politische Veränderung des Jahres 2026. Hinweis: In Wallonie ist die entsprechende Stelle AVIQ.

In dieser Erklärung: Was ändert sich konkret, welche drei Pflegebedarfs-Stufen kommen hinzu und was bedeutet das für Ihre zukünftigen Anträge oder laufende Unterstützung.

Wichtiger Hinweis: Diese Seite ist eine praktische Erklärung für Endnutzer. Für die offizielle Regelung und aktuelle Beträge: Siehe immer vaph.be. Wir sind keine VAPH-Berater — im Zweifelsfall sprechen Sie mit Ihrem multidisziplinären Team.

Was ist RTH nochmal?

Direkt Zugängliche Hilfe (RTH) ist die niedrigschwellige Kategorie der VAPH-Unterstützung:

  • Für wen: Personen mit einer Behinderung oder vermuteten Behinderung, die kein umfangreiches Pflegepaket benötigen
  • Was: Begrenzte Unterstützung — Begleitung, Tagesbetreuung, vorübergehende Unterbringung, mobile oder ambulante Hilfe
  • Warum "direkt zugänglich": Keine umfangreiche VAPH-Anerkennung nötig — schneller zu starten als ein persönliches Assistenzbudget (PVB)
  • Historisches Limit: Die gesamte RTH-Unterstützung pro Jahr war jahrelang gedeckelt

Was Sie mit RTH bekommen konnten (traditionell):

  • Begleitung zu Hause oder ambulant
  • Tagesbetreuung in einer anerkannten Einrichtung
  • Vorübergehende Unterbringung — beispielsweise Entlastungspflege für pflegende Angehörige
  • Mobile Hilfe im Haushalt oder bei Pflegeaufgaben

Was ändert sich 2026?

Kern der Reform: Ein neuer Pflegebedarfs-Screener mit 3 Stufen, plus +480 Millionen Euro zusätzliche Unterstützung in dieser Legislaturperiode.

1. Drei Pflegebedarfs-Stufen statt eines Pauschalbetrags

Früher war RTH eine relativ einheitliche Kategorie — Sie erhielten Zugang zu einem Paket mit festen Obergrenzen, unabhängig von Ihrer konkreten Situation. Ab 2026 arbeitet VAPH mit drei Stufen, die die Intensität Ihrer Unterstützung besser an Ihren tatsächlichen Pflegebedarf anpassen:

  • Stufe 1: Leichte Unterstützung — einzelne Begleitungsstunden, gelegentliche Tagesbetreuung
  • Stufe 2: Mittlere Unterstützung — mehr Begleitungsstunden, regelmäßige Tagesbetreuung oder vorübergehende Unterbringung
  • Stufe 3: Intensivere Unterstützung — höhere Obergrenzen für Menschen, deren Pflegebedarf erheblich ist, aber (noch) kein PVB rechtfertigt

Wirkung für Sie: Ihr Antrag erhält eine Stufen-Einordnung, und Ihre Obergrenzen sind besser darauf abgestimmt.

2. Zusätzliches Budget in dieser Legislaturperiode

+480 Millionen Euro zusätzlich für Menschen mit Behinderung. Konkret:

  • Mehr RTH-Budget für bestehende Nutzer
  • Mehr Einrichtungen, die RTH anbieten können
  • Erweiterung der Wartelisten-Lösungen — RTH ist traditionell die "Wartelisten-Lösung" für Menschen, die auf ein PVB warten

3. Neuer Pflegebedarfs-Screener

Das Screener-Instrument, das bestimmt, in welche Stufe Sie eingeordnet werden, ist erneuert. Nicht mehr nur auf Basis der Diagnose, sondern auch auf Basis der funktionellen Situation (was können Sie selbstständig, wo brauchen Sie Hilfe, wie ist Ihr gesellschaftlicher Kontext).

Wichtig: Bei Ihrem Antrag durchläuft Ihr multidisziplinäres Team (MDT) diesen Screener mit Ihnen. Bereiten Sie sich vor: Eine gute Vorbereitung führt zu einer korrekten Stufen-Einordnung.

Was bedeutet das konkret für Sie?

Wenn Sie bereits RTH-Unterstützung erhalten

Keine Aktion auf Eigeninitiative nötig — VAPH bewertet im Laufe von 2026 laufende Akten neu, um sie an das neue System anzupassen. Was Sie jetzt bekommen, bleibt mindestens gleich; viele werden in eine höhere Obergrenze aufsteigen durch die Stufen-Einordnung.

Konkret: Warten Sie auf ein Schreiben von VAPH mit Informationen zu Ihrer neuen Stufen-Einordnung. Bei Fragen: Rufen Sie Ihr multidisziplinäres Team oder die VAPH-Hotline an.

Wenn Sie noch keine RTH-Unterstützung haben

Jetzt ist ein günstiger Moment für einen Antrag — die Obergrenzen werden höher und die Stufen-Einordnung macht das Angebot präziser.

Schrittplan:

  1. Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Facharzt, ob RTH für Sie sinnvoll ist
  2. Nehmen Sie Kontakt zu einem multidisziplinären Team (MDT) auf — sie begleiten Ihren Antrag
  3. Füllen Sie den Antrag aus — der neue Pflegebedarfs-Screener wird hierbei eingesetzt
  4. Bearbeitungszeit: Rechnen Sie mit 2-4 Monaten bis zur Entscheidung

Wenn Sie auf der PVB-Warteliste stehen

RTH kann als Überbrückung dienen — relevanter denn je durch die Stufen-Einordnung. Fragen Sie Ihr multidisziplinäres Team, welche RTH-Unterstützung komplementär zu Ihrem PVB-Antrag sein kann, während Sie warten.

Worum es NICHT geht

Wichtig, um Verwirrung zu vermeiden:

  • RTH ist kein Ersatz für Ihr PVB — persönliche Assistenzbudgets bleiben mit ihren eigenen Wartelisten bestehen
  • Eine automatische Erhöhung für bestehende Nutzer ist nicht garantiert — Sie müssen die Neubewertung durchlaufen, um zu erfahren, was das für Sie konkret bedeutet
  • Der Screener bestimmt Ihre Stufe — einen Antrag auf "Stufe 3" ohne entsprechende funktionelle Situation zu stellen, führt zur Herabstufung

Praktische Tipps

Bereiten Sie Ihren Antrag vor:

  1. Dokumentieren Sie Ihre funktionellen Einschränkungen — was geht nicht mehr ohne Hilfe, was schon
  2. Machen Sie eine Liste, welche Unterstützung Sie bereits erhalten (Pflege durch Angehörige, gelegentliche Hilfe, Pflegedienste)
  3. Denken Sie voraus: Welche zusätzliche Unterstützung würde Ihre Situation qualitativ verbessern?

Arbeiten Sie mit Ihrem multidisziplinären Team zusammen — sie kennen den Screener und können Ihnen helfen, Ihre Situation korrekt zu beschreiben. Das ist kein "System-Ausnutzen" — das ist dafür sorgen, dass Sie korrekt in die passende Stufe eingeordnet werden.

Prüfen Sie ergänzende Unterstützung:

  • Krankenkasse: Zusätzliche Erstattungen (z. B. für angepasste Hilfsmittel — siehe unseren Artikel angepasste Fahrräder finden für den Handbike-VAPH-Ablauf)
  • Föderaler Steuerabzug: Steuervorteile bei angepasstem Material
  • Kommunale Zuschüsse: Manche Gemeinden haben zusätzliche Regelungen

Wo finden Sie mehr Informationen?

Offizielle VAPH-Quellen (das bleibt die erste Referenz):

Community- und Nutzer-Perspektive:

  • Zorgnet-Icuro: Dachverband der Pflegeeinrichtungen
  • Grip vzw: Interessenvertretung von Menschen mit Behinderung — oft nützliche Interpretations-Erklärungen
  • KVG (Katholieke Vereniging Gehandicapten): breite Vertretung

Kombinieren Sie mit anderen Pillars

Zum Abschluss

Die VAPH RTH-Reform 2026 ist für Menschen mit Behinderung einer der größeren positiven politischen Schritte dieses Jahres. Drei Stufen statt eines Pauschalbetrags machen die Unterstützung präziser, und die +480 Millionen Euro zusätzlich bedeuten, dass es nicht nur eine administrative Neuausrichtung ist, sondern eine tatsächliche Erweiterung.

Unsere Empfehlung: Wenn Sie RTH erhalten oder in Erwägung ziehen, warten Sie nicht passiv auf das VAPH-Schreiben. Rufen Sie Ihr multidisziplinäres Team an und besprechen Sie proaktiv, was die Reform für Ihre Situation bedeuten kann. Manche Menschen werden durch die Reform Zugang zu Unterstützung erhalten, die früher nicht möglich war.

Für das französischsprachige Wallonie: Das Äquivalent ist AVIQ (Agence pour une Vie de Qualité). AVIQ hat eigene Unterstützungs-Kategorien, die nicht identisch sind — für Wallonisch-Brabant und Wallonie: aviq.be für die aktuelle Regelung.

Haben Sie Fragen, die wir hier nicht abgedeckt haben? Lassen Sie es uns wissen — wir ergänzen diesen Pillar, sobald sich die VAPH-Reform konkretisiert.