Belgische Abteien mit dem Rollstuhl besuchen

Belgien und seine Abteien — eine untrennbare Verbindung. Ob es um die jahrhundertealten Trappistenklöster geht, die ihre weltberühmten Biere brauen, die Prämonstratenserabteien mit ihren barocken Kirchen oder die Zisterzienserstätten mit ihrer strengen Architektur: Die belgische Landschaft ist mit monastischen Perlen übersät. Für Rollstuhlnutzer ist ein Abteibesuch jedoch nicht immer selbstverständlich. Alte Klostergebäude haben Schwellen, Kopfsteinpflaster, Treppen und Niveauunterschiede. Doch es gibt gute Nachrichten: Viele Abteien haben in den letzten Jahren Schritte unternommen, um ihre öffentlichen Räume zugänglicher zu machen. Wir gehen die elf wichtigsten Abteien durch, von denen mindestens ein Teil schwellenfrei zu besuchen ist, mit ihren spezifischen Besonderheiten.

Die Trappisten des Nordens: Westmalle und Westvleteren

Die Abtei von Westmalle ist eine der sieben echten Trappistenbrauereien der Welt und besonders zugänglich: Das angrenzende Café und Besucherzentrum ist vollständig schwellenfrei, mit angepassten Toiletten und einem ebenen Anschluss zwischen Parkplatz und Gastronomie. Die Kirche und die eigentlichen Klostergebäude sind nicht öffentlich zugänglich — dies bleibt eine aktive Gemeinschaft. Für eine Verbindung von Ruhe, Geschichte und dem berühmten Westmalle Tripel ist das Besucherzentrum ideal.

Die Abtei von Westvleteren im Westhoek ist schwerer zu besuchen — die Mönche lassen keine Führungen zu — doch das angrenzende In de Vrede ist ein rollstuhlgerechtes Café-Restaurant, in dem das weltberühmte Westvleteren-Bier serviert wird. Eine schwellenfreie Terrasse und angepasste Sanitäranlagen machen es zu einem angenehmen Ruhepunkt während einer Westhoek-Rundfahrt.

Die Prämonstratenser: Tongerlo, Park, Postel und Averbode

Die Abtei von Tongerlo bei Westerlo ist eine der zugänglicheren Prämonstratenserabteien. Der Abteiladen, in dem lokale Produkte und das bekannte Abteibier verkauft werden, ist schwellenfrei. Die Innenhöfe sind teilweise befestigt, und der Da-Vinci-Saal — mit der weltberühmten Kopie des Letzten Abendmahls — ist über einen Aufzug erreichbar. Ein Rollstuhl kann am Empfang ausgeliehen werden. Kombinieren Sie es mit einer Rast auf der angrenzenden Abteiterrasse.

Die Abtei von Park bei Heverlee ist eine der am besten erhaltenen Abteistätten Flanderns. Das Besucherzentrum PARCUM, das sich auf religiöses Erbe konzentriert, ist vollständig schwellenfrei mit Aufzügen und angepassten Toiletten. Die Außenwege rund um die Fischteiche sind teils befestigt, teils mit halbbefestigtem Dolomitsplitt ausgeführt und bei trockenem Wetter gut befahrbar.

Die Abtei von Postel in der Antwerpener Kempen liegt mitten in einem ausgedehnten Heidegebiet. Der Abteiladen mit Käse und Bier ist teilweise zugänglich, und der Außenbereich mit den Teichen und der alten Lindenallee ist auf den Hauptwegen mit dem Rollstuhl gut zu erkunden. Die Abtei von Averbode, ebenfalls von den Prämonstratensern, bietet ein großes Besucherzentrum mit Cafeteria, Bäckerei und Buchhandlung — alles mühelos zugänglich vom zentralen Parkplatz.

Die Benediktiner: Grimbergen

Die Abtei von Grimbergen ist bekannt für das Abteibier und hat eine prächtige barocke Abteikirche. Die Kirche selbst ist über einen Seiteneingang mit Rampe schwellenfrei zugänglich, und die ausgedehnten Abteigärten — eines der am besten erhaltenen Gartenensembles Flanderns — haben befestigte Hauptwege. Die Sint-Servatius-Basilika selbst ist eine zugängliche Kirche mit Augenmerk auf Vielfalt.

Die Zisterzienser in Wallonien: Orval, Aulne, Maredsous, Floreffe

Die wohl mythischste der belgischen Abteien ist die Abtei von Orval in der Gaume. Die Ruinen der alten Abtei sind teilweise über befestigte Wege zugänglich, und das Museum am Eingang ist rollstuhlgerecht. Das Besucherzentrum verfügt über angepasste Toiletten. Die moderne Abtei selbst, in der die Mönche noch immer wohnen und Bier brauen, ist nicht öffentlich zugänglich.

Die Abbaye d'Aulne bei Thuin ist eine romantische Ruine entlang der Sambre. Viele Wege sind unbefestigt, doch die zentralen Ruinen sind über eine Rampe erreichbar. Das angrenzende Brauereicafé ist teilweise schwellenfrei. Die Abbaye de Maredsous in Namur ist ein aktives Kloster mit einer großen, rollstuhlgerechten Besucherzone, einem schwellenfreien Laden und einer Terrasse mit Blick über das Molignée-Tal. Die Abbaye de Floreffe ist bekannt für ihre barocke Kirche und die herrlichen Aussichten auf die Sambre; die Kirche ist mit Hilfe zugänglich, und die Gärten sind zum großen Teil schwellenfrei.

Praktische Tipps für eine Abteienroute

Verbinden Sie eine Abtei mit einem kulinarischen Moment. Die meisten genannten Abteien haben ein angrenzendes Café oder Restaurant, in dem Sie das Abteibier oder den Abteikäse probieren können. Das macht einen Besuch nicht nur historisch, sondern auch geschmackvoll — und es sind meist die zugänglichsten Bereiche der Anlage.

Besuchen Sie vorzugsweise außerhalb der Hauptzeiten. An Sonn- und Feiertagen sind beliebte Abteien wie Orval und Maredsous recht voll. An einem Dienstag- oder Donnerstagvormittag haben Sie viel mehr Raum, um in Ruhe umherzufahren.

Erkundigen Sie sich vorab nach der Zugänglichkeit eventueller Führungen. Manche Abteien organisieren Führungen, die Teile des Klosters selbst sichtbar machen. Nicht alle Bereiche sind rollstuhlgerecht, doch indem Sie sich vorab informieren, wissen Sie, welche Route Sie erwartet, und können gegebenenfalls eine angepasste Führung beantragen.

Planen Sie ausreichend Ruhe ein. Abteibesuche sind meist kontemplativ — weniger ermüdend als ein Freizeitpark, aber mit viel Stehen und Schauen. Indem Sie bewusst Pausen an einem Teich, einer Terrasse oder in einem ruhigen Garten einplanen, genießt jeder die besondere Atmosphäre, die diese Orte zu bieten haben, mehr.

Belgien zählt noch viele weitere Abteien, die in diesem Leitfaden nicht zur Sprache kommen. Wer sich für religiöses Erbe im weiteren Sinne interessiert, dem empfehlen wir unseren Leitfaden Rollstuhlgerechte Schlösser, in dem auch Abteien vorkommen, die zu Schlössern oder Museen umgewandelt wurden.