Antwerpen ist für Rollstuhlfahrer eine der am besten zugänglichen belgischen Großstädte und gleichzeitig eine Stadt, in der man die Kombination aus mittelalterlichen Gassen und modernen Neugestaltungen aufmerksam im Blick behalten muss. Der Hauptbahnhof Antwerpen-Centraal steht regelmäßig in internationalen Top-10-Listen der schönsten Bahnhöfe der Welt und ist seit dem Umbau 2007-2009 vollständig barrierefrei mit Aufzügen zu jedem Bahnsteig. Von dort aus erreichen Sie in 20 Minuten rollend die Grote Markt, das MAS im Eilandje und die Liebfrauenkathedrale — alles im Umkreis von 2 km und mit größtenteils ebenem Belag.
Vorab: Praktisches
- Bahnreise: aus Brüssel-Centraal in 50 Minuten, aus Gent-Sint-Pieters in 60 Minuten. Reservieren Sie die NMBS-Assistenz mindestens 3 Stunden im Voraus — siehe unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung. Antwerpen-Centraal gehört zu den Bahnhöfen mit 24/7 ständiger Assistenz, sodass spontane Hilfe vor Ort jederzeit möglich ist.
- Mit dem Auto: parken Sie im Park & Ride Kievit (direkt am Bahnhof) oder im Tiefgaragenparkhaus Sint-Jansvliet im Zentrum. Beide verfügen über Behindertenparkplätze und einen Aufzug auf Straßenniveau.
- Hotel: für einen zentralen barrierefreien Ausgangspunkt: Hotel Indigo Antwerp City Centre (rollstuhlgerechte Zimmer in der Nähe der Meir) oder Hilton Antwerp Old Town. Erwähnen Sie bei der Reservierung ausdrücklich, dass Sie einen Rollstuhl benutzen.
9:30 Uhr — Ankunft Hauptbahnhof
Ankunft am Hauptbahnhof, einem der architektonischen Juwele Belgiens. Der Bahnhof verfügt über drei Bahnsteigebenen, alle über Aufzug und Rolltreppe verbunden. Der Hauptbahnsteig auf Ebene 0 (alte Bahnsteige) hat seit 2008 eine angepasste Hauptroute zum Ausgang. Barrierefreie öffentliche Toiletten in der Haupthalle.
Vom Ausgang Pelikaanstraat rollen Sie direkt in das Diamantenviertel (kleine Straßen mit hauptsächlich Juwelieren, gut befahrbar). Ins Zentrum: nehmen Sie die Straßenbahn (Linie 2 oder 3, Niederflur, unterirdisch bis Meir) oder rollen Sie über die Meir — die Haupteinkaufsstraße hat eine autofreie Zone mit ebenem Belag.
10:30 Uhr — Die Meir und der Boerentoren
Die Meir ist seit den 1990er Jahren autofrei und wurde 2018 mit ebenen Betonplatten neu gestaltet. Eine rollstuhlgerechte Promenadenstraße von fast 600 Metern Länge, die meisten Geschäfte haben schwellenfreie Eingänge.
Am Ende der Meir steht der Boerentoren (KBC-Turm), einer der ersten Wolkenkratzer Europas (1932). Der Innenzugang für das Publikum ist meist eingeschränkt, aber die Außenarchitektur an sich ist ein markantes Antwerpener Wahrzeichen. Von hier aus rollen Sie weiter über die Schoenmarkt zur Grote Markt.
11:00 Uhr — Grote Markt und Liebfrauenkathedrale
Die Grote Markt von Antwerpen hat den Brabobrunnen in der Mitte und ist umgeben von Zunfthäusern aus dem 16. Jahrhundert sowie dem Rathaus (2024 vollständig restauriert mit barrierefreier Besucherroute). Der Platz selbst hat Kopfsteinpflaster — unregelmäßig in den älteren Bereichen, besser in den neu gestalteten Randzonen. Meiden Sie den Platz an Markttagen (samstags), wenn die Stände den Durchgang verengen.
Die Liebfrauenkathedrale liegt nur wenige Dutzend Meter von der Grote Markt entfernt. Weltberühmt für die Rubens-Sammlung (vier Hauptwerke). Der Haupteingang hat einige Stufen, aber es gibt einen schwellenfreien Seiteneingang an der Handschoenmarkt mit Klingelvorrichtung. Die Kathedrale ist im Erdgeschoss vollständig zugänglich; die Turmtreppe (415 Stufen) nicht.
13:00 Uhr — Mittagessen ebenerdig
Für ein unkompliziert barrierefreies Mittagessen an oder in der Nähe der Grote Markt:
- Café De Pelgrom — historisches Kellerrestaurant an der Pelgrimstraat, leider nur über Treppen erreichbar. Nicht rollstuhlgeeignet — Alternativen siehe unten.
- Brasserie Hubsy — moderne Brasserie mit Blick auf die Schelde, schwellenfrei, geräumiger Saal.
- Restaurant De Plek — lokales Cafeteria-Konzept im Eilandje, schwellenfrei.
Für einen schnellen Imbiss: die Pizzeria Da Giovanni im Zentrum ist eine sichere Bank — schwellenfreier Eingang und barrierefrei.
14:30 Uhr — KMSKA oder MAS
Zwei Spitzenmuseen auf einer rollstuhlgerechten Route:
Option 1: KMSKA (Königliches Museum der Schönen Künste)
Das KMSKA Antwerpen wurde 2022 nach einer tiefgreifenden Renovierung von 11 Jahren wiedereröffnet. Vollständig barrierefrei, Aufzug in jede Etage, Behindertentoilette, breite Gänge. Ensor, Rubens, Magritte, Van Eyck. Eines der am besten zugänglichen Museen Belgiens.
Option 2: MAS (Museum aan de Stroom)
Das MAS im Eilandje ist architektonisch beeindruckend und vollständig barrierefrei — einschließlich des Rooftop-Panoramas, das kostenlos zugänglich ist. Sowohl die Wechselausstellungen als auch die Dauerausstellung "Antwerpen-Geschichte" sind rollstuhlgerecht.
In Rollstuhl-Reichweite des MAS liegt das Eilandje, das neu gestaltete Hafenviertel mit Promenadenkais, Wasserzonen und dem Felix Pakhuis — ein historisches Hafenlagerhaus, das heute als Veranstaltungsort dient.
17:00 Uhr — Pause oder noch ein Museum
Für eine Erholungspause: das Besucherzentrum der Brouwerij De Koninck wurde 2017 mit vollständiger Barrierefreiheit renoviert — Verkostungen ebenerdig, Aufzug zur panoramischen Dachterrasse. Wer noch nicht aufbrechen möchte: das Museum Plantin-Moretus (UNESCO-Welterbe, Druckerei aus dem 16. Jahrhundert) ist teilweise barrierefrei — Erdgeschoss vollständig, Obergeschoss per Aufzug, einige authentische Räume bleiben nur über Treppe erreichbar.
19:00 Uhr — Abendessen oder Abreise
Für ein Abendessen mit Atmosphäre: das Restaurant 't Zilte (Michelin-Niveau, im MAS-Gebäude — schwellenfrei, Aufzug), The Jane (ebenfalls Michelin, in einer renovierten Kapelle — schwellenfrei). Für eine budgetfreundliche Option: Restaurant Noordzee — Fisch und Saisonküche im zentralen Rahmen.
Rückreise: erneut direkt am Hauptbahnhof, mit eingeplanter NMBS-Assistenz.
Was wir Rollstuhlfahrern nicht empfehlen
- Den Turmaufstieg der Kathedrale (415 Stufen, kein Aufzug)
- Café De Pelgrom als Rollstuhlfahrer — gemütlich, aber nur über Treppen
- Grote Markt samstags (Markttag) — Stände erschweren den Durchgang
- Vlaeykensgang — mittelalterliche Gasse, schön, aber zu eng und uneben für einen Rollstuhl
Zum Schluss
Antwerpen vereint an einem Tag Weltkultur (Rubens, Ensor, MAS), erstklassige Architektur (Hauptbahnhof, Boerentoren), renommierte Gastronomie (mehr als 3 Michelin-Sterne im Stadtzentrum) und hervorragende Barrierefreiheit auf den Hauptrouten. Wer mehr Zeit hat, kann einen zweiten Tag mit Schwerpunkt auf Eilandje und Hafenspaziergang anhängen oder einen Abstecher zum Plantin-Moretus und zum Mayer van den Bergh machen.
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